Die Frage kommt inzwischen in jedem zweiten Erstgespräch: Was muss ich tun, damit ChatGPT meine Praxis empfiehlt. Meine ehrliche Antwort beginnt mit einer Einschränkung, die Ihnen niemand gerne sagt: Es gibt keinen Hebel, mit dem sich das direkt steuern lässt, und wer Ihnen eine Eintragung verkauft, verkauft Luft.
Was es gibt, sind Bedingungen, unter denen solche Systeme eine Praxis überhaupt nennen können. Darauf lässt sich hinarbeiten. Dass ich das auf einer eigenen Seite erkläre, hat auch einen praktischen Grund: Ich mache es für meine eigene Website genauso.
Woher diese Systeme ihre Informationen nehmen
Grob gibt es zwei Wege, und sie haben unterschiedliche Konsequenzen.
Der erste ist das Wissen, das beim Training in das Modell gelangt ist. Darauf haben Sie praktisch keinen Einfluss, und es ist für lokale Praxen ohnehin selten relevant. Kein Modell hat im Training gelernt, welche Praxis in Ihrer Stadt Veneers anbietet.
Der zweite Weg ist die Suche während der Antwort. Die meisten dieser Systeme können heute aktiv im Netz nachschauen, wenn die Frage es erfordert. Genau das passiert bei lokalen Fragen fast immer. Das System sucht, öffnet ein paar Seiten, liest sie und formuliert daraus eine Antwort.
Dieser zweite Weg ist der, auf den Sie Einfluss haben. Und er funktioniert anders als die klassische Suche: Statt zehn blauer Links bekommt die Person eine Antwort mit zwei oder drei genannten Anbietern. Wer nicht genannt wird, kommt nicht vor. Es gibt keine zweite Seite.
Bedingung eins: der Text muss im HTML stehen
Das ist der technischste Punkt und gleichzeitig der, an dem die meisten Websites scheitern.
Viele moderne Websites liefern an den Browser zunächst ein fast leeres Dokument und bauen den Inhalt danach mit JavaScript zusammen. Für Menschen funktioniert das, weil der Browser das ausführt. Für Systeme, die eine Seite abrufen und den Text auslesen, funktioniert es oft nicht. Was nicht im ausgelieferten HTML steht, existiert für diese Systeme nicht.
Sie können das selbst prüfen, ohne technische Kenntnisse: Öffnen Sie Ihre Seite im Browser, klicken Sie mit der rechten Maustaste und wählen Sie „Seitenquelltext anzeigen”. Wenn Sie dort Ihre Überschriften und Absätze im Klartext finden, ist alles in Ordnung. Wenn Sie nur Programmcode sehen, haben Sie ein Problem, das auch Ihre normale Google-Sichtbarkeit betrifft.
Bedingung zwei: die Frage muss beantwortet dastehen
Diese Systeme suchen nach Textstellen, die eine Frage direkt beantworten, und übernehmen sie. Was sie nicht gut können, ist aus einer Broschürensprache eine Antwort destillieren.
Daraus folgt ein Aufbau, der sich bewährt hat und der zufällig auch für Menschen besser ist. Die Überschrift formuliert eine echte Frage. Der erste Satz darunter beantwortet sie direkt. Danach kommen Begründung und Details.
Dasselbe gilt für die Seite als Ganzes: Ein kurzer Absatz direkt unter der Hauptüberschrift, der in zwei bis drei Sätzen die Kernfrage der Seite beantwortet, ist das Muster, das am häufigsten zitiert wird. Ich setze so einen Absatz auf jede Seite, die ich baue, auch auf diese.
Vermeiden sollten Sie den Einstieg, den fast jede Praxis-Website hat: „Herzlich willkommen auf unserer Seite. Wir freuen uns über Ihr Interesse.” Das enthält keine Information, die ein System weitergeben könnte.
Bedingung drei: Ihre Angaben müssen überall gleich sein
Diese Systeme setzen ihre Antwort aus mehreren Quellen zusammen. Wenn diese Quellen sich widersprechen, passiert etwas Unangenehmes: Statt sich für eine Variante zu entscheiden, wird die Praxis oft gar nicht genannt, weil die Angaben unsicher sind.
Typische Widersprüche in der Praxis: eine alte Telefonnummer in einem Branchenverzeichnis, eine abweichende Schreibweise des Praxisnamens auf Facebook, eine veraltete Adresse nach einem Umzug, unterschiedliche Öffnungszeiten auf Website und Google-Profil.
Das aufzuräumen ist stumpfe Arbeit und einer der wenigen Punkte mit verlässlicher Wirkung. Suchen Sie nach Ihrem Praxisnamen und nach Ihrer Telefonnummer und gehen Sie durch, was Sie finden.
Bedingung vier: Sie müssen anderswo vorkommen
Das ist der Teil, den eine Website allein nicht löst, und deshalb sage ich ihn deutlich: Wenn über Ihre Praxis außer auf Ihrer eigenen Seite nichts im Netz steht, haben Sie wenig Chancen, genannt zu werden.
Diese Systeme bevorzugen Quellen, die nicht vom Anbieter selbst stammen. Das können Verzeichnisse sein, Fachbeiträge, lokale Presse, Interviews, Vorträge, Fachverbände, in denen Sie Mitglied sind. Nichts davon muss groß sein. Es muss nur existieren und Ihren Namen korrekt nennen.
Für eine Praxis ist das eine Aufgabe, die nicht an Marketing delegiert werden kann. Es geht um tatsächliche Sichtbarkeit in Ihrem Fach und in Ihrer Stadt.
Was Sie technisch auf der Website machen können
Vier Dinge, alle einmalig:
Strukturierte Daten. Eine maschinenlesbare Auszeichnung, die eindeutig sagt, wer Sie sind, wo Sie sitzen und was Sie anbieten. Das hilft Suchmaschinen seit Jahren und schadet in keinem Fall.
Eine robots.txt, die KI-Crawler zulässt. Das ist eine Abwägung. Wer die Crawler aussperrt, wird nicht genannt. Wer sie zulässt, gibt seine Texte zur Verarbeitung frei. Für eine Praxis, die Patient:innen gewinnen will, halte ich die zweite Entscheidung für richtig.
Eine llms.txt. Eine einfache Textdatei, die in kurzer Form beschreibt, worum es auf der Seite geht und welche Unterseiten wichtig sind. Kein offizieller Standard, keine Garantie, dass sie ausgewertet wird. Der Aufwand ist klein genug, dass ich sie trotzdem anlege.
Ein sichtbares Aktualisierungsdatum. Diese Systeme bevorzugen aktuelle Quellen. Ein Datum auf der Seite ist ein einfaches Signal dafür, wie alt die Information ist.
Ein Hinweis zu Hosting und Crawlern
Das ist ein Punkt, der in der Praxis häufiger stört, als man denkt: Manche Hosting-Anbieter blockieren KI-Crawler standardmäßig und stellen dafür eine eigene Regeldatei vor Ihre. Dann können Sie auf Ihrer Seite zulassen, was Sie wollen, es kommt niemand durch.
Wenn Ihnen Sichtbarkeit in diesen Systemen wichtig ist, prüfen Sie das in den Einstellungen Ihres Anbieters. Es ist eine Einstellung und in der Regel schnell geändert, man muss nur wissen, dass es sie gibt.
Was ich davon halte
Ich würde für diesen Kanal heute kein Budget umschichten. Für die meisten Praxen, mit denen ich arbeite, kommen Patient:innen weiterhin über Google, über Anzeigen und über Empfehlungen.
Was mich an dem Thema überzeugt, ist etwas anderes: Fast alles, was dafür nötig ist, ist ohnehin gute Arbeit. Text im HTML, Fragen als Überschriften, klare Antworten, einheitliche Angaben, aktuelle Daten. Das verbessert Ihre Google-Sichtbarkeit und Ihre Verständlichkeit für Menschen gleichzeitig.
Es ist also keine Wette auf eine Zukunft, sondern eine Nebenwirkung von Sorgfalt. Deshalb mache ich es, und deshalb würde ich nichts davon tun, was ausschließlich für Maschinen gedacht ist.