Es gibt in der Zusammenarbeit mit Praxen einen Moment, der immer gleich abläuft. Wir schauen gemeinsam auf die Zahlen, die Anzeigen liefern Anfragen, die Kosten pro Anfrage sind in Ordnung, und trotzdem ist der Beratungskalender nicht voller geworden. Dann stellt sich heraus, dass die Anfragen aus der vergangenen Woche noch unbearbeitet im Postfach liegen.
Das ist kein Vorwurf. In einer Praxis klingelt das Telefon, Patient:innen sitzen im Wartezimmer, und ein Formular aus dem Internet fühlt sich weniger dringend an als ein Mensch, der direkt vor einem steht. Genau das ist das Problem, und es lässt sich nur mit einem festen Ablauf lösen, nicht mit gutem Willen.
Was zwischen Formular und Termin passiert
Die Strecke ist länger, als sie aussieht. Vier Stellen, an denen Menschen verloren gehen:
Der erste Kontakt. Wird überhaupt angerufen, und wenn ja, wann. Hier geht der größte Teil verloren.
Das Nachfassen. Wer beim ersten Versuch nicht erreicht wurde, wird in vielen Praxen gar nicht mehr versucht. Dabei geht ein erheblicher Teil der Menschen beim ersten Anruf einer unbekannten Nummer grundsätzlich nicht ran.
Das Gespräch. Wird ein konkreter Termin vereinbart oder endet es mit „Ich schicke Ihnen Informationen zu”? Der zweite Fall ist fast immer ein verlorener Termin.
Der Termin selbst. Wie viele der vereinbarten Beratungen finden statt. Ohne Erinnerung erscheint ein spürbarer Teil nicht.
Jede dieser Stellen ist einzeln verbesserbar, und keine davon kostet Werbebudget.
Warum die Zeit so stark wirkt
Stellen Sie sich die Person vor, die das Formular ausfüllt. Es ist halb zehn abends, sie liegt auf dem Sofa und hat gerade Ihre Anzeige gesehen. In diesem Moment ist das Interesse am höchsten, das es jemals sein wird.
Was danach passiert, ist nicht, dass das Interesse verschwindet. Es wird geteilt. Dieselbe Person sieht in den nächsten Tagen weitere Anzeigen, schaut sich zwei andere Praxen an, spricht vielleicht mit jemandem darüber. Jeder Tag ohne Rückmeldung von Ihnen ist ein Tag, an dem jemand anderes den Platz einnehmen kann.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den ich für mindestens genauso wichtig halte: Der Rückruf ist der erste Eindruck von Ihrer Praxis als Organisation. Wer am nächsten Vormittag freundlich zurückruft, signalisiert, dass hier etwas funktioniert. Wer sich nach vier Tagen meldet, hat bereits eine Aussage über die Praxis getroffen, bevor über Behandlung gesprochen wurde.
Der häufigste Fehler: niemand ist zuständig
In den meisten Praxen, in denen Anfragen liegen bleiben, liegt das nicht an fehlender Zeit, sondern an fehlender Zuordnung. Die Anfragen gehen an eine allgemeine Praxisadresse. Mehrere Menschen haben Zugriff. Jeder nimmt an, dass sich jemand anderes kümmert.
Die Lösung ist unspektakulär: eine Person und zwei feste Zeitpunkte. Einmal am Vormittag, einmal am Nachmittag werden die neuen Anfragen abgearbeitet. Das reicht völlig. Es muss nur jemand tun.
Dazu gehört eine Vertretung für Urlaub und Krankheit. Zwei Wochen Sommerurlaub, in denen niemand das Postfach öffnet, kosten ein komplettes Werbebudget.
Was im Gespräch passieren sollte
Das Ziel des ersten Anrufs ist nicht, zu verkaufen. Es ist, zwei Dinge zu klären: ob die Behandlung überhaupt in Frage kommt, und wann der Beratungstermin stattfindet.
Was dafür hilft, sind drei bis vier Fragen, die vorher feststehen. Worum geht es konkret. Seit wann beschäftigt Sie das Thema. Haben Sie sich schon woanders beraten lassen. Gibt es einen Zeitraum, in dem es für Sie passen würde. Diese Fragen sind nicht dazu da, jemanden auszufragen, sondern um zu erkennen, wo die Person steht.
Und dann der Teil, der am häufigsten fehlt: ein konkreter Terminvorschlag. Nicht „Melden Sie sich gerne, wenn Sie so weit sind”, sondern „Ich hätte Donnerstag um 14 Uhr oder Freitag um 10 Uhr”. Wer das Gespräch ohne Termin beendet, hat in den meisten Fällen eine Anfrage verloren, die vermeidbar gewesen wäre.
Wenn jemand wirklich noch nicht so weit ist, gehört die Frage dazu, wann man sich wieder melden darf. Das ist keine Floskel, sondern eine Verabredung, auf die man sich beim nächsten Anruf beziehen kann.
Die Erinnerung vor dem Termin
Zwischen Vereinbarung und Termin liegen oft ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit ändert sich manchmal etwas, und manchmal vergisst jemand schlicht den Termin.
Eine kurze Nachricht am Vortag kostet nichts und holt einen Teil der sonst ausgefallenen Termine zurück. Sie hat außerdem einen zweiten Nutzen: Wer absagen will, tut es dann, statt nicht zu erscheinen. Das klingt wie dasselbe, ist es aber nicht, weil Sie die Zeit anders vergeben können.
Was Sie messen sollten
Vier Zahlen reichen, und alle vier müssen aus Ihrer Praxis kommen, nicht aus dem Werbekonto:
Wie viele Anfragen kamen. Wie viele davon wurden erreicht. Wie viele Beratungstermine wurden vereinbart. Wie viele davon haben stattgefunden.
Mit diesen vier Zahlen sehen Sie sofort, wo es klemmt. Wenn viele Anfragen kommen, aber wenige erreicht werden, liegt es an Zeit und Nachfassen. Wenn viele erreicht, aber wenige Termine vereinbart werden, liegt es am Gespräch oder an der Qualität der Anfragen. Wenn viele Termine vereinbart werden und wenige stattfinden, fehlt die Erinnerung.
Ohne diese Zahlen optimiert man im Dunkeln. Ich sehe im Werbekonto nur die erste von vier Stufen.
Wann ich das übernehme und wann nicht
Es gibt zwei Modelle, und keines ist grundsätzlich besser.
Wenn Ihr Empfang die Kapazität hat, würde ich die Anrufe dort lassen. Ihr Team kennt die Behandlungen, sieht den Kalender und kann fachliche Rückfragen direkt beantworten. Was ich dann liefere, ist der Gesprächsleitfaden, die Festlegung der Zeitpunkte und ein gemeinsamer Durchgang, damit es sich nicht nach Skript anfühlt.
Wenn Ihr Empfang ohnehin am Limit ist, übernehme ich die erste Kontaktaufnahme und übergebe an Sie, sobald jemand einen Termin möchte. Das hat den Vorteil, dass die Anrufe verlässlich stattfinden, und den Nachteil, dass ich fachlich nur bis zu einem gewissen Punkt antworten kann.
Was in beiden Fällen gleich bleibt: Wir legen vorher fest, wer anruft, in welchem Zeitfenster, wie oft nachgefasst wird und was im Gespräch gefragt wird. Diese Festlegung ist der eigentliche Inhalt dieses Bausteins. Alles andere ist Ausführung.
Der unbequeme Teil
Ich sage das in Erstgesprächen immer, auch wenn es Anfragen kostet: Wenn in Ihrer Praxis niemand bereit ist, Anfragen zeitnah zurückzurufen, würde ich keine Anzeigen für Sie schalten.
Nicht aus Prinzip, sondern weil ich dann Geld ausgebe, das nichts bewirkt, und am Ende sitzen wir beide vor einem Report, der schlecht aussieht. Dann lieber vorher darüber reden und mit einem anderen Baustein anfangen.